Aktuelles
100 Stunden Hilfsbereitschaft am historischen Webstuhl
Dieses Zeitgeschenk durfte das Heimatmuseum Grafenau im Schloss Dätzingen vom Webstuhl-Techniker Ernst Spingler entgegennehmen. Dafür möchten wir ihm mit großer Freude danken!
Als Ernst Spingler vom Heimatmuseum Holzgerlingen und die Weberin Astrid Mrkwitza aus Grafenau im Frühjahr 2024 im Dachstuhl des Schlosses erschienen, schlummerte der historische Webstuhl mit seiner fehlerhaften Konstruktion vom letzten Zusammenbau schon Jahrzehnte vor sich hin. Genau das aber war der Anlass, um den Faden wieder aufzunehmen - und zwar sofort und mit Tatkraft. Techniker und Weberin, Jörg Marquardt und Gudrun Achterberg vom Team Heimatmuseum waren bei der Initialzündung dabei. Sie hoben, schoben, klemmten, rückten, zogen und tauschten lange und kurze Holzteile zwischen dem brüchigen Fadengewirr hin und her, hoch und runter. Zur großen Freude der Vier stand nach den ersten fünf gemeinsamen Stunden der Webstuhl, samt dem Webstück aus der Vergangenheit, fertig rekonstruiert da. Aber! Halt! Nur scheinbar!
Denn im Innern lauerte nach so langer Zeit der Zerfall, der dem Laien erst nach fachlicher Erklärung sichtbar wurde. Ohne dies ahnte man die Vielzahl der Reparaturen am rostigen Metall, an den kaputten oder fehlenden Holzteilen und an den brüchig gewordenen Fäden nicht. Um nur einiges zu nennen, musste Ernst Spingler in anderthalb Jahren fachmännischer Ausführung die Schiffchen mit Holz ausbessern und sogar neue erstellen, Metallteile ausbauen, mühsam entrosten und wieder einbauen, den Stellmechanismus am eisernen Zahnrad reparieren, historisches, kaum mehr erhältliches Garn für die Litzen, die ersetzt werden mussten, mit viel Glück ausfindig machen, eine Vorrichtung für das Präparieren der Litzen bauen, die exakt gleichlang in einen Schaft gespannt werden mussten. Und mittig hinein wurden die alten metallenen, zentimetergroßen "Augen", einzeln gereinigt und eingeknüpft. Die fertigen, modernen Plastiklitzen kamen nicht in Frage. Hier wurde mit Geschichtsverpflichtung traditionell restauriert - so der Ehrgeiz des Fachmanns. Dann wurden die 124 neuen Kettfäden durch die Augen gezogen und stramm an die alte Ketteware geknüpft. Ja, und ganz viele weitere komplizierte und zeitraubende Schritte mussten es sein, von denen Ernst Spingler berichten kann. Welch ein Glück, dass er zu uns kam. Daran ist auch Jörg Marquardt, der Sprecher des Heimatmuseums, beteiligt, der den Meister von seiner früheren Arbeitsbeziehung zur selben Holzgerlinger Firma Gottlieb Binder kennt und ihn in unser Heimatmuseum eingeladen hatte.
Nun sollte als Dankeschön an den Webstuhl-Techniker eine Kopie der Chronik seiner Firma Binder überreicht werden, da er dort Jahrzehnte gearbeitet hatte. Ja, im Museumsarchiv hatte der für die Historie zuständige eine gefunden, zum Glück. Oder? Nein, der Meister des Webstuhls war da anderer Meinung, denn diese Chronik gehörte zur Schreinerfamilie Johannes Konrad Binder und nicht zu seiner Firma Gottlieb Binder. Also - es gibt einfach zu viele Binder in Holzgerlingen! Aber Ernst Spingler wollte die Kostbarkeit einer akribisch zusammengestellten Chronik, auch wenn sie nicht von seiner Firma war, gerne seinem Heimatmuseum, dem "Verein für Heimatgeschichte Holzgerlingen e.V." übergeben. Und somit wurde ihm in zufriedener Übereinstimmung diese andere Chronik-Kopie von den Förderern des Webstuhlprojekts, Gudrun Achterberg und Jörg Marquardt, überreicht. Ein freudiger Abschluss! Genannt werden darf auch, dass durch den großzügigen Honorarverzicht des Meisters eine entsprechende Spende unseres Heimatmuseums auf seinen Wunsch an seinen Verein für Heimatgeschichte ging.
Fortuna ist noch heute anwesend, denn Ernst Spingler ist uns treu geblieben und macht bei Veranstaltungen des Heimatmuseums dem erwartungsvollen Publikum die Freude, vom historischen, alt-ehrwürdigen Handwerk des Webens zu erzählen und es auch vorzuführen. Schon in der Antike war das Gewebte eine Metapher für Gemeinsamkeit, und diese möchten wir als "Lebendiges Heimatmuseum" gerne weiterhin pflegen. /GA
Heimatmuseum
Ein Stück Heimat im Schloss
Das Heimatmuseum im Schloss präsentiert in weningen Räumen und im Dachgeschoss die Religions-, Adels-, Orts-, Familien-, Schloss- und Weltgeschichte. Im Treppenhaus und Dachgeschoss erinnern Ausstellungsstücke an die bäuerlichen und handwerklichen Lebensumstände früherer Jahrhunderte, sowie die Schlacht bei Döffingen.
Beeindruckend ist das Dachgebälk, das durch ein aufwändiges Verfahren wieder freigelegt wurde. Holztafeln und Vitrinen beherbergen Wechselausstellungen. Ortsbezogenen Besonderheiten werden vorrangig präsentiert.
Eine frühe Panoramatapeten aus dem Jahr 1812 ist im Jägerzimmer seit 2021 wieder zu besichtigen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Weitere Informationen als PDF-Datei zur folgenden Jagdtapete (PDF-Dokument, 518,85 KB, 05.12.2022)
Heimat erlebbar machen
Heute wollen wir besonders um Ihre Unterstützung biete, wir laden Sie oder auch gerne jemanden aus Ihrem Bekanntenkreis ein, uns im Heimatmuseum zu unterstützen und in unsere Ortsgeschichte einzutauchen. Ich schätze selbst sehr, wie wertvoll die Zeit im Heimatmuseum ist und wie groß der Gestaltungsraum. Daher nutzen Sie gerne unserem Öffnungssonntag zum Besuch des Heimatmuseums Grafenau im Schloss Dätzingen am 21.06.26 von 14 -17 Uhr. Wieder bieten wir Führungen mit Audio-Guide und persönliche Information und Betreuung an. Wir freuen uns Ihnen neue Videos im Adels-, Johanniterzimmer über die Schlossgeschichte präsentieren zu können.
Genießen Sie die Gestaltung der Geschichte Grafenau, vom Adel bis zum bäuerlichen Leben, über Kirche, Kriegsgeschichte und Industrie. Das Team der ehrenamtlichen Helfer des Heimatmuseum Grafenau heißen Sie willkommen. Sie wollen uns unterstützen? Wir freuen uns immer über Zuwachs.
Geschichte erleben: Vom Malteserschloss zur königlichen Residenz
Ein besonderes Highlight der diesjährigen Präsentation ist die filmische Aufarbeitung der Schlossgeschichte: In fünf Videos zeigen wir die beeindruckende Entwicklung von Schloss Dätzingen – von der einstigen Malteserherberge bis hin zum prunkvollen Grafenschloss mit eigenem Gastzimmer für den König.
Persönliche Einblicke und kuriose Exponate
Freuen Sie sich auf Begegnungen mit Tiefgang: Joachim Ratz führt Sie durch das Museum und beleuchtet interessante Details aus neuen Perspektiven. Manuela Kälberer nimmt Sie mit auf eine packende Zeitreise: „Von den Maltesern bis zur letzten Schlossherrin“. Ihre Erzählungen, gespickt mit lebendigen Anekdoten, lassen die Vergangenheit lebendig werden.
Passend zum Museumstag erzählen besondere Exponate aus der Zeit um 1826 ihre ganz eigene Geschichte: Ein altes Schulbuch, der Gewerbeschein einer Schirmmacherin und das Wanderbuch eines Schreiners auf der Walz zeugen von der Bedeutung der Bildung und des Handwerks in unserer Region. Sogar die Entwicklung der Sitten wird anhand eines ungewöhnlichen Stücks – einer Damenunterhose nach 1900 – anschaulich verdeutlicht.
„Verwandlungen in Textil“ – Ein Hauch von Weltweit
Im Dachgeschoss präsentiert die Künstlerin Gudrun Achterberg filmische Impressionen ihrer Arbeit. Ihre textilen Kunstwerke waren bereits weltweit vertreten – von der UNESCO in Paris über New York bis zur Biennale in Peking. Ergänzend dazu sind weitere Objekte in der Eckvitrine zu bewundern.
Service für Besucher & Abholaktion
Für Ihren individuellen Rundgang liegen in den Themenbereichen Beschreibungen aus; zudem stehen Audiogeräte bereit, die Ihnen die Exponate ausführlich erklären. Ein Hinweis für Familien: Die Kinderbilder vom Fest „950 Jahre Grafenau“ können im Dachgeschoss abgeholt werden.
Das Team des Heimatmuseums rund um Sprecher Jörg Marquardt freut sich auf Ihr Dabeisein!
Schloss-Geschichten Heimatmuseum
Die Nachrichten des Heimatmuseums Schloss Dätzingen über Geschichte und Geschichten aus Grafenau beginnen heute mit einem Überblick zur Schlossgeschichte und werden mit Berichten über Schloss- und Ortsgeschichten fortgesetzt. Tatichingen und Toffingan, Familien- und Ortsnamen der im Frühmittelalter gebildeten und 1075 erstmals urkundlich erwähnten alemannischen Siedlungen, wurden 1972 als Dätzingen und Döffingen zu Ortsteilen der neu gebildeten Gemeinde Grafenau. Schon die erste Erwähnung als Gefolgsleute bzw. Kirchenbesitz des Klosters Hirsau
bestimmte Jahrhunderte lang die politisch und konfessionell unterschiedliche Entwicklung der Orte. Die >Kreuzblitz< und >Rübenmoster< waren die Necknamen der Orte und ihrer Bewohner. Das Heimatmuseum hat die Ausstellung im Schloss, einst Johanniter Herberge und größtes Gebäude im >Kreuzblitz< Ort Dätzingen mit fünf Filmen zur Schlossgeschichte erweitert. Besonderheiten in der Entwicklung und Nutzung des Gebäudes werden unter den nachgenannten Titeln in den nächsten Gemeindenachrichten einzeln vorgestellt.
Die neuen Filme Schlossgeschichte, Weltlicher Adel, Johanniter, Maltesersaal und J. B. A. von Flachslanden werden seit dem Weihnachtsmarkt 2025 im Heimatmuseum präsentiert.
Geöffnet jeden 3. Sonntag im Monat 14.00 -17.00 Uhr
Wieder bieten wir Führungen mit Audio-Guide und persönliche Information und Betreuung an. Wir freuen uns Ihnen neue Videos im Adels-, Johanniterzimmer über die Schlossgeschichte präsentieren zu können.
Das Team der ehrenamtlichen Helfer des Heimatmuseum Grafenau heißen Sie willkommen und freuen sich auch immer über Zuwachs und Unterstützung.
Heimatmuseum Sprecher Jörg Marquardt




